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Matthias Müller wird neuer VW-Chef (Foto: AFP)

Müller soll VW nach Abgas-Skandal aus der Krise führen

Wolfsburg 25.09.2015

Der vom Abgas-Skandal in eine tiefe Krise gestürzte Volkswagen-Konzern hat einen neuen Chef: Der bisherige Porsche-Chef Matthias Müller übernimmt mit sofortiger Wirkung die Führung des Unternehmens.

Nun ist es offiziell: Neuer Vorstandsvorsitzender des Volkswagen-Konzerns ist der bisherige Porsche-Chef Matthias Müller. Wie der Übergangsvorsitzende des VW-Aufsichtsrats, Berthold Huber, am Abend in Wolfsburg mitteilte, tritt Müller mit sofortiger Wirkung die Nachfolge von Martin Winterkorn an. Dieser war am Mittwoch als Konsequenz aus der Affäre um manipulierte Abgaswerte zurückgetreten. Der Aufsichtsrat fasste zudem Beschlüsse zur Neuordnung des Konzerns.

"Die Testmanipulationen bedeuten für Volkswagen ein moralisches und politisches Desaster", sagte Huber. Es habe ein "rechtswidriges" Verhalten von Erfindern und Technikern gegeben. "Dafür entschuldige ich mich in aller Form bei unseren Kunden und der Öffentlichkeit." Der Aufsichtsrat habe in Folge des Skandals empfohlen, "einige Mitarbeiter umgehend zu beurlauben", sagte Huber. Dies sei teilweise bereits erfolgt.

Müller kündigte seinerseits an, dass der Konzern zu seiner Verantwortung stehen werde. "Entscheidend ist, dass so etwas bei VW nie wieder passiert." Das Unternehmen stehe vor "nie dagewesenen Herausforderungen". Vor diesen habe er Respekt, er stelle sich dieser Aufgabe "aber auch mit Zuversicht", sagte Müller und betonte: "Zu keinem Zeitpunkt war die Sicherheit unserer Fahrzeuge oder unserer Kunden gefährdet."

Wie VW weiter mitteilte, sollen die Konzernaktivitäten in Nordamerika neu geordnet werden. Die Märkte USA, Mexiko und Kanada werden demnach in der neu geschaffenen Region Nordamerika zusammengefasst und entscheidend gestärkt. Außerdem erhält die Marke Volkswagen eine Führungsstruktur mit vier Regionen, jeweils vor Ort gesteuert von einem Chef mit direkter Berichtslinie an den Vorstandsvorsitzenden der Marke Volkswagen Pkw, Herbert Diess.

Diess erklärte, eine interne Untersuchung habe ergeben, dass weltweit rund fünf Millionen Fahrzeuge der Marke Volkswagen Pkw betroffen seien. Diese seien ausschließlich mit Dieselmotoren des Typs EA 189 ausgestattet. Es werde "mit Hochdruck" an einer technischen Lösung gearbeitet.

Die US-Umweltbehörde EPA hatte in der vergangenen Woche aufgedeckt, dass bei VW-Dieselfahrzeugen in den USA die Abgastests manipuliert worden waren. Mit Hilfe einer speziellen Software wurden im Testbetrieb deutlich weniger gesundheitsschädliche Stickoxide gemessen als im regulären Betrieb. Die Software ist laut VW in insgesamt elf Millionen Fahrzeugen des Konzerns weltweit verbaut.

Allein in den USA kommen auf Volkswagen eine Milliardenstrafe sowie eine teure Rückrufaktion und Schadenersatzklagen zu. Unter anderem um diesen zu begegnen, beschloss der Aufsichtsrat, "deutsche und US-Rechtsanwälte zu mandatieren, die die Manipulation von Abgaswerten bei Dieselmotoren objektiv ermitteln und vollständig aufklären sollen".

In Deutschland sind von den Manipulationen fast drei Millionen Autos betroffen. Es handele sich um "circa 2,8 Millionen Fahrzeuge", sagte Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) vor dem Bundestag in Berlin. Neben Autos der 2,0-Liter- und 1,6-Liter-Dieselklasse seien wohl auch Fahrzeuge mit 1,2-Liter-Dieselmotoren betroffen. Auch in "leichten Nutzfahrzeugen" von VW ist die Software zur Manipulation demnach eingebaut.

In der Schweiz verbieten die Behörden wegen des Skandals vorerst den Verkauf von möglicherweise betroffenen Dieselmodellen des Autokonzerns. Dies teilte das Bundesamt für Straßen (Astra) am Freitagabend mit. Nicht betroffen von der Verfügung sind demnach "bereits in Verkehr gesetzte Fahrzeuge". Diese dürften weiterhin fahren. Laut Astra könnten in der Schweiz rund 180.000 Fahrzeuge mit potenziell manipulierter Software auf den Straßen unterwegs sein.

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