Foto: SanderPartsch003R.jpg
Darmstadts Oberbürgermeister Partsch, Museum Sander: „Würde er hier nachgeben, könnte er auch gleich zurücktreten“ (Foto: HEINERTOWN.DE)

Museum Sander: Wie OB Jochen Partsch die Verhandlungen mit den Stiftern vorantreibt

Darmstadt 17.08.2011

Es ist eine der Debatten, die Darmstadts OB Jochen Partsch von seinem Vorgänger Walter Hoffmann geerbt hat: Die Diskussion über einen geeigneten Standort für das Museum Sander. Weil eine Ausstellungs-Halle auf einem Grundstück am Eugen-Bracht-Weg wegen denkmalpflegerischer Bedenken nicht in Frage kommt, loten der Rathaus-Chef und die Sanders jetzt alternative Möglichkeiten aus. HEINERTOWN-Chefredakteurin Angela Barany berichtet.

Es war am Tag nachdem seitens des Landesamts für Denkmalpflege signalisiert worden war, dass eine Ausstellungshalle auf einem Grundstück am Eugen-Bracht-Weg nicht in Frage kommt. „Herr Sander hat mich darum gebeten, bei der Diskussion über einen geeigenten Standort für eine Ausstellungshalle zügig voranzukommen und das Ganze zu einem guten Ende zu bringen. Ich habe Herrn Sander versichert, dass dies auch im Interesse der Stadt ist. Wir sind gut im Gespräch und werden jetzt gemeinsam nach Alternativen suchen, die den Interessen der Bürger und des Stifter-Ehepaars gleichermaßen gerecht werden“, so Darmstadts Oberbürgermeister Jochen Partsch am heutigen Nachmittag im Gespräch mit HEINERTOWN.

Dass die Debatte über einen geeigneten Standort für ein Museum Sander wegen der denkmalpflegerischen Bedenken jetzt praktisch wieder von Neuem beginnt, dürfte vor allem die Stifter Hans-Joachim und Gisa Sander stören. Schon während der vergangenen Monate hatten die Wella-Erbin und ihr Gemahl immer wieder angemerkt, dass sie an einer schnellen Klärung der Standortfrage interessiert sind: Vor allem Hans-Joachim Sander hat wohl Angst, dass er - so die Debatte noch länger dauert - noch vor der Eröffnung des Ausstellungshauses sterben könnte.

Das wohl größte Hindernis beim Finden eines Kompromisses: Seit das Grundstück am Eugen-Bracht-Weg nicht mehr zur Diskussion steht, sind die Standort-Alternativen für alle Beteiligten rar geworden. Käme Partsch auf den Gedanken, dem Wunsch des Stifterpaares nachzugeben und einen Bau am Südhang der Mathildenhöhe zu genehmigen, wäre er schnell in einer ähnlichen Bredouille wie Amtsvorgänger Walter Hoffmann. Der Ex-OB hatte während des vergangenen Jahres quasi heimlich und im Alleingang den Bau des Museums am Südhang vorangetrieben - und war von den Darmstädter Bürgern wohl auch deshalb im März dieses Jahres mit einem historisch schlechten Wahlergebnis abgestraft worden.

„Unser Oberbürgermeister hat den Bürgern vor der Wahl versprochen, dass es am Südhang kein Museum geben wird“, so ein Insider der grün-schwarzen Regierungs-Koalition, „würde er hier nachgeben, könnte er auch gleich zurücktreten. Dann wären ja sofort wieder tausende Bürger auf der Straße.“

Dass der Lieblings-Standort des Stifter-Ehepaars für Grün-Schwarz schon lange keine Option mehr ist, stellte Partsch auch am Nachmittag nochmals klar. „Die Auffassung der Koalition, das Museum nicht am Südhang, auf dem Grundstück des ehemaligen Christiansen-Hauses erbauen zu lassen, steht fest. Das heißt, zusammen mit der Baudezernentin Brigitte Lindscheid, bereiten wir eine Auslobung eines Wettbewerbes für den Osthang vor. In den kommenden Wochen werden wir in einer Magistratsvorlage einen Zeitplan festlegen, wann eine Umsetzung möglich ist“, so der Oberbürgermeister im Gespräch mit der Redaktion.

Bedeutet übersetzt: Wollen die Sanders ihr Museum haben, werden sie sich wohl auf einen Bau der Ausstellungshalle am Osthang der Mathildenhöhe einlassen müssen.