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Mit einem Bauantrag, den die Eheleute Sander einreichen wollen, sckockt das Stifterpaar derzeit die Darmstädter Bevölkerung (Foto: HEINERTOWN.DE)

Museum Sander: Wie das sture Stifter-Paar bei Grün-Schwarz gegen die Wand läuft

Darmstadt 11.05.2011

In der Darmstädter Bürgerschaft ängstigt man sich, dass das Wella-Erben-Paar Hans-Joachim und Gisa Sander ernst macht - und trotz vieltausendfachen Protests die Baugenehmigung für den Museum-Standort am Südhang der Mathildenhöhe auf dem Behördenweg durchsetzt (HEINERTOWN berichtete ausführlich). Womit das Stifter-Paar nicht gerechnet haben dürfte: Obwohl die Koalitions-Gespräche noch gar nicht beendet sind, haben Grüne und Schwarze beim Thema Mathildenhöhe bereits jetzt eine gemeinsame Haltung erarbeitet. Sebastian Hanisch berichtet.

Es ist im April des Jahres 2004 als die Angestellten eines Berliner Luxus-Hotels Hans-Joachim Sander von einer Seite kennenlernen, die man in gewissen Kreisen nicht wirklich als weltmännisch bezeichnen würde. Es ist kurz nach Mitternacht. Sander betritt die zum Berliner Hotel Savoy gehörende Zigarrenbar „La Casa del Habano“ - und bleibt in der Eile wohl mit einem Fuss unglücklich zwischen Türkante und Fußabtreter hängen. Das Leder eines seiner Londoner Maßschuhe - zerkratzt. Der eilends hinzugerufene Hotel-Direktor - zerknirscht. Sander selbst - zornerfüllt. Eine Entschuldigung empfindet der Darmstädter Kunstgalerist, der durch seine Ehe mit Wella-Erbin Gisa zu gesellschaftlichem Ansehen und Vermögen gekommen ist, als bei weitem nicht ausreichend. Rechtsanwälte werden bemüht. Die Sache landet schließlich vor Gericht. Nicht nur Redakteure der Tageszeitung Die WELT verarbeiten Sanders juristisches Gefecht um einen zerkratzten Schuh zu Glossen, die in den großbürgerlichen Haushalten der Hauptstadt für nachhaltige Erheiterung sorgen.

Dumm für die Darmstädter Bürger: Sander, in Potsdams feinster Villen-Gegend ein unmittelbarer Nachbar von Prominenten wie Modeschöpfer Wolfgang Joop, auf den er seit dem Crash bei Joops Designer-Label Wunderkind und einem kolportierten Verlust von rund 15 Millionen Euro auch nicht mehr allzugut zu sprechen ist, hat wieder Krawall-Kapazitäten frei. Der Schuh-Prozess - wenn auch mit nicht ganz befriedigendem Ausgang - Geschichte. Der Wunderkind-Verlust - shit happens - abgehakt. Das Privat-Museum mitten auf der Mathidenhöhe - das wollen wir doch mal sehen - noch lange nicht.

Um ungeachtet der mit den Gründern der Bürgerinitiative SOS Mathildenhöhe getroffenen Absprachen den Lieblingsstandort für das von vielen Darmstädtern als Privat-Mausoleum bespöttelte Gebäude in direkter Nähe des Ernst-Ludwig-Hauses doch noch durchzudrücken, ließ Sander dieser Tage mitteilen, die Bau-Genehmigung auf dem Behördenweg erlangen zu wollen (HEINERTOWN berichtete ausführlich).

Sollte Sander - wegen der vieltausendstimmigen Bürgerproteste gegen das geplante Museum arbeiten Mitarbeiter der Stadt in diesen Wochen daran, einen alternativen Standort genehmigungsfähig zu machen - tatsächlich auf dem von Noch-Oberbürgermeister Walter Hoffmann in Erbpacht vergebenen Bauplatz am Südhang beharren, hätte er allerdings wohl nicht nur etliche tausend Bürger gegen sich, sondern auch die komplette Stadtregierung.

Zwar sind die Führungskräfte der Darmstädter Grünen und Christdemokraten in diesen Tagen mehr oder weniger vollständig damit beschäftigt, die Koalitions-Gespräche zu einem guten Ende zu bringen: Für deutliche Worte in Richtung des Stifter-Ehepaars fanden führende Kräfte der künftigen Regierungs-Parteien dennoch Zeit. Bei den Grünen beispielsweise denkt man gar nicht daran, während des Wahlkampfs gegebene Versprechen zu brechen. „Sie können davon ausgehen, dass Jochen Partsch zu seinem Wort steht“, so Grünen-Vorstandssprecher Ulrich Pakleppa in Anspielung auf Wahlkampf-Aussagen des künftigen Darmstädter Oberbürgermeisters, mit ihm werde es kein Museum Sander am Südhang der Mathildenhöhe geben.

Hildegard Förster-Heldmann erinnert an einen Beschluss des Kultur-Ausschusses. Hier hatten Stadtverordnete von Grünen, CDU, SPD und FDP in seltener Einmütigkeit vereinbart, dass erst einmal ein Gesamtkonzept für die Mathildenhöhe umgesetzt werden müsse - bevor man sich um das geplante Museum des Sifter-Ehepaars kümmern werde. „Wir bleiben bei unserer Forderung, den Osthang möglichst schnell zu entwickeln. Das muss Grundlage aller weiterer Planungen sein“, so die Grünen-Sprecherin. Förster-Heldmann gibt den Darmstädtern Recht, die fürchten, dass mit einem Bauantrag Fakten geschaffen werden sollen. „Wobei man niemanden daran hindern kann, einen Bauantrag zu stellen oder die Entwürfe zu überarbeiten.“

Daran hindern, einen Bauantrag zu stellen oder die Entwürfe für ein Museum umarbeiten zu lassen können die Darmstädter Politiker die Wella-Erbin und ihren streitlustigen Gatten zwar nicht. Wohl aber darauf hinweisen, dass dadurch ja neue Kosten entstehen. „Da müsste man mal bei OB Hoffmann nachfragen was er da mit den Sanders vereinbart hat“, so der Darmstädter CDU-Chef Ctirad Kotoucek. Jetzt gehe es darum, unnötige Kosten zu sparen. „Das gilt vor allem für ein Projekt, das so ja gar nicht mehr in Frage kommt.“

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