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Die Sammlung Sander im Prinz-Christians-Weg: „Das sind hier Bilder, die der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden sollten“ (Foto: HEINERTOWN.DE)

Museum Sander: Stifter-Ehepaar gewährt Darmstädtern erstmals Blick auf die Gemälde

Darmstadt 01.04.2011

Der Streit um das geplante Museum Sander auf der Mathildenhöhe dauerte Monate. Dann der Kompromiss. Ein alternativer Standort wird derzeit geprüft. Doch lohnt sich der ganze Aufwand überhaupt? Mitglieder der Bürgerinitiative SOS Mathildenhöhe hatten am gestrigen Donnerstag erstmals Gelegenheit, die Sammlung des Stifter-Ehepaars zu begutachten. Die Presse hätten die Sanders wohl am liebsten nicht mit dabei gehabt. HEINERTOWN-REDAKTEUR Sebastian Hanisch gelang es mit einer List, sich dennoch Zugang zu verschaffen.

Es ist kein gewöhnlicher Museumsbesuch, den die etwa 20 Mitglieder der Bürgerinitiative SOS Mathildenhöhe am Donnerstagnachmittag da vor sich haben. Denn die Sammlung Sander im Prinz-Christians-Weg 16 ist eigentlich gar kein Museum. Für die Öffentlichkeit geschlossen und hinter hohen Mauern verborgen bewahrt Hans-Joachim Sander dort die Gemälde der Darmstädter Künstler auf, die der Stifter in seinem neuen Museum – am liebsten auf dem Südhang der Mathildenhöhe – zeigen würde.

Die Darmstädter Museumsgegner haben sich pünktlich vor dem Gebäude versammelt und warten im Regen darauf, dass es 16 Uhr wird. „Dürfen wir da jetzt schon rein, oder was?“, sagt einer von ihnen. Die Mitglieder der Bürgerinitiative hatten sich namentlich anmelden müssen, um Zugang zu der Sammlung zu erhalten.

Nach Monaten des Streits um das geplante Museum Sander hatte das Stifterehepaar den Mitgliedern der Bürgerinitiative die Hand gereicht. „Wir wollen uns jetzt einfach mal anschauen, worüber wir da eigentlich sprechen“, sagt Stefan Zitzmann. Der Darmstädter Gastronom ist er Gründer der Bürgerinitiative. „Auf Dias erkennt man ja so schlecht, was da in dem neuen Museum gezeigt werden soll“, sagt einer von Zitzmanns Mitstreitern. „Das ist die pure Neugier. Wir fragen uns, womit das neue Museum eigentlich bestückt wird. Ist das überhaupt ein eigenes Museum wert?“, fragt sich Dr. Hans Gerke.

Im Foyer der Sammlung dann die Ernüchterung: „Was? Die Presse? Davon wissen wir ja gar nichts. Nein, Fotos bitte nur zu privaten Zwecken“, sagt eine Angestellte der Eheleute Sander. HEINERTOWN-Fotochef Andreas Kelm wird hinauskomplimentiert. Und wie selbstverständlich: „Die Sanders können leider nicht hier sein.“ Im Empfangsbereich hängen Bilder des Malers Eugen Bracht. In der nach ihm benannten Straße soll das neue Museum jetzt entstehen.

Wie ein Museum sieht die Sammlung Sander bereits jetzt aus. Von innen. Nur: Es fehlen die Besucher. Von außer verweist nur ein kleines, unscheinbares Schild auf die Kunstschätze im Innern des Gebäudes. Dr. Barbara Bott führt die seltenen Gäste durch die Räume im Kellergeschoss. Die Kunsthistorikerin gibt sich diplomatisch. Will den Stifter nicht brüskieren. „Diese Räume sind für junge Leute einfach nicht geeignet. Man müsste Toiletten einbauen und vieles mehr.“

Die Mitglieder der Bürgerinitiative sind sich einig beim Betrachten der Arbeiten von Eugen Bracht, Carl Engel von der Rabenau, August Lukas, Johann Heinrich Schilbach und Jakob Becker. „Das sind hier Bilder, die der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden sollten“, sagt Stefan Zitzmann. Die Mitglieder der Bürgerinitiative diskutieren. Ja, mit dem Kompromiss im Eugen-Bracht-Weg könne man gut leben. Nur weshalb dauert das jetzt so lange?

Norbert Golombek, quasi ein Nachbar der Sanders auf der Mathildenhöhe, sieht das auch so. Einerseits. „Was ich andererseits aber überhaupt nicht nachvollziehen kann, ist, weshalb man dem Bauamt in Darmstadt jetzt sechs Monate Zeit gibt, den neuen Standort zu überprüfen.“ Für den Darmstädter steht fest: „In der freien Wirtschaft würde so etwas schneller gehen.“

Dann würde man wahrscheinlich auch pragmatischere Lösungen in Betracht ziehen. Der Osthang sei ja ohnehin vom Tisch, sagt Horst Hansmann. Da lasse sich mit den Sanders nicht reden. „Aber was ist eigentlich jetzt mit dem Wella-Museum?“ Immerhin gebe es da Parkplätze, im Gegensatz zur Mathildenhöhe.

Während sie noch diskutieren, ziehen sich die Bürgerinitiativler ihre Regenjacken wieder an. Als hinter ihnen die Tür zufällt, blicken sie zurück. Nein, wie ein Museum sieht das Gebäude nicht aus. Eher wie eine Hochsicherheitsanlage. „Bestimmt sind hier irgendwo auch Kameras“, meint eine Darmstädterin.

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