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Darmstädter Museums-Stifter Hans-Joachim Sander: „Vielleicht ist die Stadt durch die Geschehnisse der vergangenen Monate auch aus einer Art Dornröschenschlaf erwacht“ (Foto: HEINERTOWN.DE)

Mäzene: Die neuen Pläne des Museums-Stifters und Multi-Millionärs Hans-Joachim Sander

Darmstadt 05.03.2012

Es ist die Interview-Sensation dieses Frühjahrs: Zwei Jahre lang war Funkstille zwischen HEINERTOWN und Museums-Stifter Hans-Joachim Sander. Am vergangenen Freitagabend dann - nach Dutzenden vergeblicher Anfragen - das entscheidende Signal aus dem Berliner Büro des Mäzens: \"Herr Sander freut sich auf das Gespräch mit der Redaktion.\" Beim Interview redete der Multi-Millionär Klartext. Wo Sander und seine Ehefrau jetzt ihr Museum bauen wollen, was der Stifter von OB Jochen Partsch hält, worum es ihm bei dem Museums-Projekt wirklich geht. HEINERTOWN-Reporterin-Jennifer Loeb berichtet.

HEINERTOWN: Herr Sander, in der Stadtverordnetenversammlung am vergangenen Donnerstag wurde die Aufhebung des Erbpachtvertrages zwischen Ihnen und der Stadt Darmstadt beschlossen. Das bedeutet, dass Sie nun eine Kostenerstattung in Höhe von knapp 338.000 Euro erhalten werden. Ursprünglich hatten Sie und Ihre Ehefrau rund 64.000 Euro mehr gefordert.

SANDER: Die Summe entspricht im wesentlichen unserer Forderung und ist somit in Ordnung. Die Differenz ergibt sich aus der im Augenblick aus steuerlichen Gründen noch zurückgehaltenen Mehrwertsteuer. Unabhängig davon kann ich nicht verstehen, dass es Kritik an den in der Summe enthaltenen Übernachtungs- und Bewirtungskosten gab. Beispielsweise waren für das Projekt zwei Tage lang Fach-Preisrichter aus Mailand und Rotterdam in der Stadt. Dadurch sind uns Kosten entstanden, die ohne das Projekt nicht entstanden wären. Ich kann Ihnen versichern, dass hier nicht geprasst wurde. Das lief alles in einem bescheidenen Rahmen ab.

HEINERTOWN: Während der zurückliegenden Monate wurde von interessierter Seite immer wieder das Gerücht in Umlauf gebracht, die Sanders hätten wegen des teilweise erbittert geführten Streits in Sachen Museums-Standort gar keine Lust mehr auf Darmstadt. Es wurde sogar kolportiert, Sie und Ihre Ehefrau seien in Verhandlungen mit den politischen Entscheidern anderer Städte.

SANDER: Es ist zutreffend, dass andere Städte auf uns zugekommen sind und Interesse gezeigt haben. Meiner Frau und mir ist es immer um die Sache gegangen. Es war und ist das Projekt, das uns in unserer Heimatstadt etwas bedeutet. Letztlich darf man sich bei einem solchen generationsübergreifenden Projekt nicht von politischen Veränderungen irritieren lassen. Und genauso haben es meine Frau und ich auch gehalten, indem wir an einem gemeinsamen Weg mit der Stadt Darmstadt festgehalten haben. Unser Ziel ist es nach wie vor, in einem künftigen Museum Werke aus unserer Sammlung sowie, wenn es sich anbietet, Werke aus der städtischen Kunstsammlung unter einem Dach zu präsentieren. Ich halte die Stadt Darmstadt nach wie vor für einen sehr guten Partner für dieses Projekt.

HEINERTOWN: Allenthalben wurde Ihnen während der vergangenen Monate Gefallsucht unterstellt. Tenor: Ein privilegiertes Ehepaar will sich an einer exponierten Stelle am Südhang der Mathildenhöhe ein Denkmal setzen. Wie wirken solche Vorwürfe auf Sie?

SANDER: Die öffentliche Debatte hat an dieser Stelle Formen angenommen, die ich nicht nachvollziehen kann. Uns ist es immer darum gegangen, die Sammlung, die wir im Laufe der Jahrzehnte zusammengetragen haben, der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Es geht hier nicht um den Namen Sander oder um meine Frau oder um mich. Es geht um das Projekt. Vielleicht ist die Stadt durch die Geschehnisse der vergangenen Monate auch aus einer Art Dornröschenschlaf erwacht. Ich glaube, während der zurückliegenden Monate haben die Menschen in Darmstadt so ausführlich über die Themen Kunst und Kultur debattiert wie seit Langem nicht mehr. Von daher: Meine Frau und ich sind nicht zornig auf die Menschen. Allerdings wünschen wir uns jetzt eine konsequente Haltung der Stadt. Es wäre sicherlich im Sinne aller Beteiligten, wenn alles, was jetzt gemeinsam geplant wird, auch so realisiert werden kann.

HEINERTOWN: Sie stehen in engem Kontakt mit Oberbürgermeister Jochen Partsch. Konnte er Sie davon überzeugen, dass es statt des ursprünglich geplanten Museums-Standorts am Südhang der Mathildenhöhe auch andere interessante Orte für die Realisierung eines solchen Projektes gibt?

SANDER: Ich bin nach wie vor der Meinung, dass die positive Entscheidung, die seinerzeit bezüglich des Südhanges getroffen wurde, richtig war. Wie dann letztlich alles gekommen ist, war nicht abzusehen. In einer solchen Situation fühlt man sich hilflos. Wir waren mehr oder minder über Nacht zu den Buhmännern der Stadt geworden. Es ist gut und wichtig, dass wir jetzt sehr produktive und positive Gespräche mit Jochen Partsch haben. Der Oberbürgermeister hat auch eingesehen, dass wir sehr verletzt wurden und Verständnis dafür gezeigt. Ich bin guten Mutes, dass wir uns nun auf dem richtigen Weg befinden und diesen weiter verfolgen können.

HEINERTOWN: Sie halten also weiterhin an Darmstadt als Standort für das Museum fest.

SANDER: Es gibt ja genug finanziell privilegierte Menschen, die ihr Geld lieber in ihren aufwendigen Lebensstil investieren. Doch das ist weder unser Stil, noch ist es unsere Art. Wir sind uns der Tatsache bewusst, dass wir als privilegierte Menschen eine Verpflichtung gegenüber der Allgemeinheit haben. Meine Frau und ich fühlen uns der Stadt Darmstadt seit jeher eng verbunden. Unser Ziel ist es, mit unserem Projekt der Stadt Darmstadt und den Menschen, die in dieser Stadt leben und diese Stadt besuchen, etwas zu hinterlassen, woran folgende Generationen noch Freude haben können.

HEINERTOWN: Nach wie vor ist der Mathildenhöhen-Osthang immer wieder ein Thema, wenn über einen geeigneten Museums-Standort debattiert wird. Bernd Krimmel, der Gründungsdirektor des Instituts Mathildenhöhe, und auch der Denkmalschutz-Experte Professor Frank Oppermann, merkten bei verschiedenen Interviews mit dieser Zeitung mehrfach an, dass der Osthang einen hervorragenden Ort für ein Museum Sander darstellen würde.

SANDER: Der Osthang steht für mich nicht zur Diskussion. Allein der Umstand, dass die vorliegenden Bebauungspläne aus den siebziger Jahren stammen und man überprüfen müsste, ob sie den heutigen Bedürfnissen entsprechen, spricht dafür, dass an dieser Stelle erst einmal Bedarfsanalysen zu machen sind. Ein Museum jetzt dort zu planen, wäre völlig falsch. Es ist doch denkbar, dass an diesem Ort Gebäude mit anderen Funktionen bedarfsgerechter sein könnten und auch eine Lösung der Parkplatzproblematik auf der Mathildenhöhe berücksichtigt werden könnte. Zunächst einmal sollte aus meiner Sicht ein städtebaulicher Masterplan gemacht werden und in diesem Zusammenhang sollte ein Museums-Neubau diesen Masterplan nicht dominieren.

HEINERTOWN: Herr Sander, ein weiterer möglicher Standort, der jüngst ins Spiel gebracht wurde, ist das frühere Saladin-Gebäude. Da die Hotel-Pläne der Bauverein AG an dieser Stelle nun obsolet sind, wäre es ja durchaus möglich, auf diesem Areal vis-á-vis des Darmstädter Schlosses ein Museum zu bauen.

SANDER: Das ist natürlich eine sehr exponierte Stelle. Aber da müsste man sich zunächst einmal die Topographie genau ansehen. Es müssen bei solch einem umfangreichen Vorhaben auch logistische Vorgänge, wie beispielsweise die Zulieferung der Kunstwerke per Spedition, berücksichtigt werden. Und dort ist ja nicht sehr viel Grund, auf dem so etwas angelegt werden könnte. Letztlich wäre es eine ganz andere Art von Bau, kein freistehendes, sondern ein eingebautes Museum. Auf den ersten Blick gibt es durchaus Argumente für diese Ecke als Standort. Es gibt jedoch auch Argumente dagegen. Meine Frau und ich sind offen, uns auf jeden Standort, der uns geeignet erscheint, gedanklich einzulassen. Ich kann das Saladin-Grundstück aus dem Stehgreif weder komplett befürworten, noch kann ich es kategorisch ablehnen. Wie gesagt: Man muss es sich ansehen und auf Machbarkeit überprüfen.

HEINERTOWN: Welcher Standort jenseits des Mathildenhöhen-Südhangs wäre für Sie und Ihre Frau in Darmstadt der ideale Ort für ein Museum?

SANDER: Hierzu möchten wir uns aktuell nicht festlegen. Man muss sich jetzt die verschiedenen Möglichkeiten ansehen und ausloten, welcher Standort am ehesten für alle Beteiligten in Frage kommt. Es geht darum, den gemeinsamen Nenner zu finden, um jetzt und in Zukunft mit der Standortwahl zufrieden sein zu können.

HEINERTOWN: Herr Sander, wir danken Ihnen für dieses Gespräch.

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