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Mathildenhöhe Darmstadt: „Es geht darum, nicht gleich aufzugeben, sondern Investoren zu beknien“ (Foto: HEINERTOWN.DE)

Museum Sander: Hat OB Partsch den Stiftern ohne Not eine zu hohe Abfindung versprochen?

Darmstadt 24.01.2012

Nachdem sich die Stadtverordneten im Herbst vergangenen Jahres per Mehrheitsbeschluss endgültig gegen den Mathildenhöhen-Südhang als Standort für das geplante Museum Sander ausgesprochen hatten, forderte das Wella-Erben-Paar Hans-Joachim und Gisa Sander von der Stadt eine \\\"Entschädigung\\\" in Höhe von mehr als 400.000 Euro. OB Partsch willigte ein. Jetzt merken Experten an, dass der Rathaus-Chef sich womöglich voreilig auf eine zu hohe Entschädigungssumme eingelassen hat - zum Schaden der ohnehin schon bankrotten Stadt. HEINERTOWN-Chefredakteurin Angela Barany berichtet.

Den Erbbauvertrag, der während der Amtszeit von Ex-Oberbürgermeister Walter Hoffmann mit dem Ehepaar Sander für den Südhang ausgehandelt wurde, wurde im vergangenen Herbst auf Antrag der grün-schwarzen Koalitionäre von den Mitgliedern des Stadtparlaments aufgehoben. OB Jochen Partsch entsprach damit dem Wunsch tausender Bürger, die sich im Jahr 2010 einer Bürgerinitiative angeschlossen hatten, um den Bau eines Museums an diesem prominenten Ort auf der Mathildenhöhe zu verhindern. Das Ehepaar Gisa und Hans-Joachim Sander forderten eine Entschädigung in Höhe von 402.221,46 Euro. Der Bau eines Museums Sander an welchem Standort auch immer schien damit unmöglich geworden sein.

Dann Ende vergangener Woche die Wende. Partsch traf sich mit dem Wella-Erben-Paar, weitere Gespräche wurden vereinbart. Dass der Darmstädter Rathauschef die Verhandlungen mit dem Stifter-Ehepaar wieder aufgenommen hat, findet Architektur-Professor und Denkmalschutzexperte Frank Oppermann gut. Wie jedoch eine Summe von über 400.000 Euro Entschädigung zusammenkommen kann, ist ihm nicht verständlich: „Mir ist klar, dass ein Wettbewerb einiges an Kosten aufwirft, aber 400.000 Euro? Ich wüsste schon gerne, auf welcher Berechnungsgrundlage das entstanden ist. Die Politiker dürfen das so nicht stehen lassen“, so Oppermann.

Was alternative Standorte betrifft, so gibt es laut Professor Oppermann einige Möglichkeiten. Persönlich präferiert der Denkmalschutzexperte weiterhin den Osthang: „Die Politiker müssten jetzt mal los legen und vielleicht noch weitere Sponsoren für den Osthang suchen und nicht nur ein Museum sondern vielleicht zwei oder drei in Betracht ziehen. In Frankfurt ist das doch auch möglich. Es geht darum, nicht gleich aufzugeben, sondern Investoren zu beknien.“

„Andere Standorte könnten weiterhin der Garten gegenüber des Alfred-Messel-Hauses im Eugen-Bracht-Weg sein“, so Oppermann, „zwar haben die Denkmalschutz-Experten der Landesdenkmalbehörde Wiesbaden grundsätzlich Bedenken geäußert, dort ein Museum zu bauen, es aber nicht abgelehnt. Die haben sich vorsichtig ausgedrückt und gesagt, man dürfe nicht zu groß bauen und müsse auf dieses und jenes aufpassen. Als Oberbürgermeister Jochen Partsch dies im Kulturausschuss vortrug, wurde das falsch weiter kommuniziert und somit zu früh fallen gelassen“.

Oppermann könnte sich als Museums-Standort auch gut den Parkplatz Lucasweg Ecke Olbrichweg am Osthang, in unmittelbarer Nachbarschaft des Fachbereichs Gestaltung der Hochschule Darmstadt vorstellen. „Schließlich kämen die meisten Besucher aus Richtung Osten, da wäre dieser Standort dann sehr zweckdienlich“, so der Architektur-Professor.