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Südhang der Mathildenhöhe: „Eine Achse war nicht der primäre Gedanke in Olbrichs Konzeption“ (Foto: HEINERTOWN.DE)

Museum Sander: Wie sich der Architekt Josef Maria Olbrich die Mathildenhöhe wirklich vorgestellt hat

Darmstadt 08.06.2011

Am kommenden Samstag (11.6) laden die Mitglieder der Bürgerinitiative SOS Mathildenhöhe zu einer Führung ein. Professor Frank Oppermann widerlegt dabei die Behauptung, der Architekt Josef Maria Olbrich habe in der Anordnung der Gebäude eine Achse gesehen: Ein oft angeführtes Argument der Befürworter eines Museum Sander am Südhang der Mathildenhöhe.

„Oben an höchsten Steif ... das Haus der Arbeit ...- im abfallenden Gelände .. die Häuschen um ein Forum gruppiert...“ Mit diesen Worten beschreibt Josef Maria Olbrich im Jahre 1900 die städtebauliche und künstlerische Situation der Mathildenhöhe. Ganz bewusst unterscheidet der Architekt zwischen einem „oben gelegenen“ Atelierhaus - als „Tempel der Arbeit“ - und einem tiefer gelegenen „friedlichen Ort“ - als Forum der Wohnhäuser, zu den herabgestiegen wird, um den „Künstler mit dem
Menschen einzutauschen“.

„Eine Achse war nicht der primäre Gedanke in Olbrichs Konzeption“, sagt Professor Frank Oppermann, Lehrstuhlinhaber für Baugeschichte, Denkmalpflege und Architektur an der Hochschule Darmstadt, der die Führung für SOS-Mathildenhöhe am kommenden Pfingstsamstag (11.6.) um 15 Uhr halten wird. (Treffpunkt hinter der Russischen Kapelle). Oppermann wird einerseits auf die Architektur der Ausstellung von 1901 eingehen, andererseits aber auch von der Ausstellung von 1908 berichten, die einen ganz anderen architektonischen Anspruch verfolgte. War 1901 die künstlerische Avantgarde das Thema, so wurden 1908 wirtschaftliche und soziale Aspekte in der Vordergrund gerückt. Mit einer Vielzahl von historischen Fotografien und alten Zeichnungen wird Oppermann von der Baugeschichte der Mathildenhöhe erzählen und dabei zusammen mit den Besuchern nach der Achse suchen, die als Begründung für einen Museumsneubau vor dem Ernst-Ludwig-Haus immmer wieder her halten muss. „Eine Achse im Jugendstil ist so etwas wie ein schwarzer Schimmel - also ein Widerspruch in sich“, so Oppermann.

Denn auch nach dem Zweiten Weltkrieg, als man für die Mathildenhöhe zeitgemäße Wiederaufbaukonzeptionen entwickelte, die die neue Gesellschaft und die neue Demokratie widerspiegeln sollten, verzichtete man auf eine Achse. Eine „Balance“ zwischen Neu und Alt, ein Gleichgewicht zwischen vergangenem Jugendstil und neuer 50er-Jahre-Gestaltung sollte erreicht werden - weder Rekonstruktion, noch mächtige Gesten von Achsen und Symmetrien. Auf der Führung wird also auch aus kulturhistorischer Sicht erläutert werden, warum der Südhang vor den Ernst-Ludwig-Haus so zu erhalten ist, wie er sich jetzt darstellt.

Alle Interessierten sind zu diesem Rundgang herzlich eingeladen. Besonders würden sich die Mitglieder der Bürgerinitiative freuen, auch Stadtverordnete begrüßen zu können. Der Eintritt ist frei.

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