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Darmstädter CDU-Fraktionsgeschäftsführer Ctirad Kotoucek: „Man kann nicht einfach die Richtung ändern, nur weil sich eine Bürgerinitiative für etwas ausspricht“ (Foto: HEINERTOWN.DE)

Museum Sander: Der Zorn der Bürger und die Strategie der Darmstädter Christdemokraten

Darmstadt 28.10.2010

Im Zusammenhang mit dem von Oberbürgermeister Walter Hoffmann vorangetriebenen Museums-Bau eines Darmstädter Millionärs-Ehepaars auf der Mathildenhöhe standen die Chefs der Darmstädter CDU bislang in Treue fest zum Stadtoberhaupt. Jetzt spricht Ctirad Kotoucek, Fraktionsgeschäftsführer der Darmstädter Christdemokraten, erstmals darüber, wie man seitens der Union auf die Proteste der Bürger zu reagieren gedenkt. Angela Barany berichtet.

HEINERTOWN: Mittlerweile unterstützen mehr als 5.000 Darmstädter Bürger eine Bürgerinitiative, um die Mathildenhöhe zu schützen und den Museums-Bau eines Darmstädter Millionärs-Ehepaars an dem geschichtsträchtigen Ort zu verhindern. Von der Darmstädter CDU hat man bislang ja nicht allzuviel zu dem Thema gehört.

KOTOUCEK: Wir von der Darmstädter CDU haben uns im Zusammenhang mit dem geplanten Museum Sander klar positioniert. Wir haben in einem Schreiben an den Oberbürgermeister und Kulturdezernenten Walter Hoffmann vom 30. September 2010 nach dem gegenwärtigen Sachstand gefragt. Man hat uns mitgeteilt, dass es keinen neuen Stand gibt. Es ist wohl seit längerem ein Gespräch zwischen dem Ehepaar Sander und dem Oberbürgermeister geplant. Auch das hat man uns mitgeteilt.

HEINERTOWN: Mit anderen Worten: In der Darmstädter CDU überlässt man Oberbürgermeister Walter Hoffmann die Entscheidung, wie es in Sachen Sander Museum weitergeht.

KOTOUCEK: Uns ist es wichtig, dass Oberbürgermeister Walter Hoffmann für Klarheit sorgt und einen überarbeiteten Entwurf den städtischen Gremien vorstellt. Warum sollten wir den Standort kippen, wenn wir nicht wissen, wie der neue Entwurf aussehen wird. Deshalb haben wir in dem Schreiben an den Oberbürgermeister auch angefragt, inwieweit die im Protokoll der Preisjury festgeschriebenen Überarbeitungen bereits erfolgt seien. Man hat uns mitgeteilt, dass die Sanders die Bauherren sind und deshalb auch die Entscheidung zu treffen haben, welcher der drei erstplazierten Entwürfe umgesetzt werden soll.

HEINERTOWN: Bürger und Experten diskutieren ja längst nicht mehr über die Ästhetik des geplanten Museums. Man befürchtet vielmehr, dass ein Ort von kulturhistorischer Weltgeltung unwiderruflich zerstört wird.

KOTOUCEK: Das sehe ich nicht so. Ein Totschlagargument ist meines Erachtens nicht angebracht. Auch kein Schwarz-Weiß-Denken. Ich finde, man kann nur dann zu einer Bewertung kommen, wenn der Entwurf überarbeitet wird. Ich könnte mir vorstellen, wenn es eine gute Konzeption wäre, dass sich die Bürger damit anfreunden würden. Ich agiere gerne aus Überzeugung und man kann nicht die Richtung ändern, nur weil sich eine Bürgerinitiative für oder gegen etwas ausspricht. Beispielsweise basierten zum größten Teil die eingereichten Entwürfe der Architekten auf einem Kubus-Stil. Vielleicht ist das die Architekten-Sprache 2010. Das trifft auch nicht unbedingt meinen persönlichen Stil, aber vielleicht finden das die Menschen in 50 Jahren phantastisch.

HEINERTOWN: Viele Darmstädter Bürger sind deshalb so aufgebracht, weil sie sich bei diesem wichtigen Thema von den verantwortlichen Stadtpolitikern übergangen fühlen. Und die CDU steht in Treue fest zum Oberbürgermeister. Man kann fast den Eindruck haben, die Union will Wahlkampf für Walter Hoffmann machen.

KOTOUCEK: Ganz sicherlich nicht. Den Weg Walter Hoffmanns halte ich nicht für richtig. Erst hätte ein Informationsaustausch im Stadtparlament stattfinden müssen, und dann hätten die Bürger miteinbezogen werden müssen. Erst danach hätte man mit einer Grundstücksgeschichte beginnen können. Auch wir fühlten uns überrumpelt. Nun sieht es jedoch so aus, dass der Entwurf überarbeitet wird. Falls uns die Überarbeitung nicht gefällt, sind wir zu einer Diskussion bereit. Und das Thema Mathildenhöhe muss solch eine Diskussion aushalten können. Ich fühle mich den Darmstädter Bürgern gegenüber verpflichtet. Auch weil ich seit meiner Kindheit einen besonderen Bezug zur Mathildenhöhe habe.

HEINERTOWN: Im Umfeld von Oberbürgermeister Hoffmann hat man wohl vor allem Angst, dass man künftige Stifter vergraulen könnte, wenn man jetzt auf die Bürger hört und das Museum Sander an einer anderen Stelle baut - etwa am Osthang der Mathildenhöhe.

KOTOUCEK: Auch das ist ein Problem. Oberbürgermeister Hoffmann hätte im Vorfeld viel mehr Transparenz an den Tag legen müssen. Nun sieht es so aus, dass das Ehepaar Sander allein gelassen wird. Der OB hat die Sache an den Baudezernenten weitergereicht und tut so, als hätte er mit der ganzen Sache nichts mehr zu tun.

HEINERTOWN: Viele Bürger haben den Eindruck, dass sich Hoffmann mit der Komplexität des Themas gar nicht richtig auseinandergesetzt hat

KOTOUCEK: Ich denke, er hat kein Interesse daran. Das entsprechende Wissen könnte man sich ja schließlich erarbeiten, wenn man nicht beratungsresistent wäre.

HEINERTOWN: Herr Kotoucek, wir danken Ihnen für das Gespräch.

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