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(Foto: HEINERTOWN.DE)

Museum Sander: Wird den Sieger-Architekten der Planungsauftrag jetzt wieder entzogen?

Darmstadt 15.09.2010

Für die Mitglieder der Bürgerinitiative „SOS Mathildenhöhe Darmstadt“, die seit Wochen gegen den Bau des geplanten Museums Sander protestieren, ist es so etwas wie der erste große Etappensieg. In der Stadtverwaltung denkt man nämlich darüber nach, den Sieger-Architekten des Leipziger Büros Schulz & Schulz den Planungsauftrag wieder zu entziehen. Sebastian Hanisch berichtet.

Für die beiden Leipziger Architekten Ansgar und Benedikt Schulz war es ein großer Erfolg, vielleicht sogar der größte ihrer bisherigen Karriere. Der Gewinner ist Schulz & Schulz, hieß es am 28. Juni dieses Jahres, nachdem die von dem Darmstädter Millionärs-Ehepaar Hans-Joachim und Gisa Sander eingesetzten Juroren die Arbeiten von 20 Architekten gesichtet und entschieden hatten, wie die Baumeister heißen, die das geplante Museum Sander auf der Mathildenhöhe errichten dürfen.

Die Leipziger Brüder hatten sich gegen Konkurrenten aus Tokio, London, Basel, Berlin, Köln, Frankfurt und Darmstadt durchgesetzt. „Das Projekt besticht durch seine sichere Positionierung und bindet sich sehr gut in das Gesamtensemble ein. Die Einfachheit der Architektursprache überzeugt hinsichtlich der kleinteiligen Körnung des Kontextes. Es entsteht ein Museum von großer innenräumlicher Qualität und eigenständiger Identität“, so Wolfgang Lorch, Professor an der TU Darmstadt und Vorsitzender der Jury, deren Mitglieder die Entwürfe der internationalen Architekten-Riege bewertet hatten.

Lorchs Laudatio wird womöglich eine der kürzesten Halbwertzeiten in der neueren Architektur-Geschichte haben. Seit nämlich von Woche zu Woche deutlicher wird, wie wenig das von den Sanders geplante Museum auf der Mathildenhöhe von einer großen Mehrheit der Darmstädter Bürger gemocht wird, ist auch die Nervosität in Stadtpolitik und Stadtverwaltung gestiegen. „Das Ganze war ja völlig anders geplant“, berichtet ein Intimus aus dem unmittelbaren Umfeld von Oberbürgermeister Walter Hoffmann. „Walters Plan war es ja, sich durch das schnelle Umsetzen des Museums-Neubaus im anstehenden Wahlkampf als entscheidungsstarker Oberbürgermeister zu positionieren. Dass ihm die ganze Kiste derartig um die Ohren fliegt, hatte Hoffmann definitv nicht auf der Agenda.“

Während der Oberbürgermeister in der vergangenen Woche erstmal auf Tauchstation ging und - trotz deutlich formulierter Kompromissbereitschaft der Veranstalter hinsichtlich des Findens eines genehmen Termins - seine Teilnahme an einer Podiumsdiskussion zum Thema Sander Museum absagte, beriet man in der Fraktion der Darmstädter CDU, ob es sich angesichts der Bürgerproteste lohne, in Sachen Museumsneubau auch weiterhin in Treue fest zu Hoffmann zu stehen. „Es wäre schon gut, wenn der OB bei diesem Thema keine weiteren Fehler mehr machen würde. Wir sind zwar geduldig und stehen auch zu unseren Entscheidungen, aber auch dafür gibt es Grenzen“, so ein Darmstädter Unions-Abgeordneter im Gespräch mit der Redaktion.

Was der CDU-Mann zum Zeitpunkt des Hintergrund-Gesprächs mit HEINERTOWN nicht wusste: Als die Christdemokraten noch darüber debattierten, wie die Bürgerproteste in Sachen Sander angesichts des bevorstehenden Wahlkampfs zu bewerten sind, war Hoffmanns wichtigster Mistreiter bei dem umstrittenen Projekt drauf und dran, sich von seinem Dienstherrn abzusetzen. Monatelang hatte Stadtdenkmalpfleger Nikolaus Heiss ähnlich wie Hoffmann („Ich halte weiter am gewählten Standort des Museums und den Entwürfen der Architekten fest“) den Entwurf der Leipziger Bürder Schulz als Nonplusultra-Lösung verteidigt. Nun wollte Heiss die prämierten Pläne der Architekten aus den neuen Bundesländern nur noch als „ersten Entwurf und Grundlage, auf der man aufbauen kann“ verstanden wissen. Die entscheidenden Sätze des Denkmalschützers am Mittwochvormittag dieser Woche gegenüber der Redaktion: „Die Frage, wer das Museum plant, ist jetzt wieder völlig offen. Das Preisgericht hat da lediglich eine Empfehlung ausgesprochen. Wer das Museum baut, ist noch unklar.“

Eine Wendung, die in den Leipziger Büros von Schulz & Schulz, wo die von der Darmstädter Jury prämierten Pläne erarbeitet worden waren, eine Art Sprechstarre auslöste. Ein der Redaktion zunächst zugesagtes Interview kam letztlich nicht zustande. Auch die Mobiltelefone der Chefs waren plötzlich ausgeschaltet.

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