Foto: FeuerwehrStationAhi001.jpg
Arheilger Feuerwehrhaus: Eine von gefühlt unzähligen Begehungen, die während der vergangenen Jahre stattgefunden haben (Foto: HEINERTOWN.DE/Andreas Kelm)

Arheilgen: Der endlose Skandal um ein Feuerwehrhaus

Darmstadt 04.05.2012

Seit Jahrzehnten zerfällt das Gerätehaus der Freiwilligen Feuerwehr Arheilgen. Wenn es regnet, müssen die Wehrmänner sogar ihre Regenschirme mitbringen - weil das Dach undicht ist. Die verantwortlichen Stadtpolitiker kümmerte das alles nicht. Auch nicht den ehemals zuständigen Dezernenten Dieter Wenzel (SPD). „Wir sind immer hingehalten worden. Es ist blöd, so in der Luft zu hängen“, so Thorsten Traser, der bei der Arheilger Wehr als Zugführer der Bürgerschaft dient. Eileen Passarelli berichtet.

 

Es ist Anfang März dieses Jahres. Es ist Feuerwehrhaus-Begehungszeit in Arheilgen in der Frankfurter Landstraße 133. Diesmal haben sich Mitglieder der CDU des Themas angenommen. Es ist eine von gefühlt unzähligen Begehungen, die während der vergangenen Jahre stattgefunden haben. Und immer wieder geht es um dieselbe Sache: den seit Jahrzehnten desaströsen Zustand des Feuerwehrhauses. Man müsse da endlich etwas tun, heißt es bei der Union. „Das Gebäude im Ortskern erfüllt ja noch nicht einmal die aktuellen brandschutztechnischen Voraussetzungen, was ja eigentlich ein Skandal ist, wenn man über ein Feuerwehrhaus redet“, sagt Karl-Heinz Töns, Mitglied des Arheilger CDU-Vorstands.

Die Arheilger Wehr ist eine von vier freiwilligen Feuerwehren im Darmstädter Stadtgebiet. Dass das Haus der Arheilger Feuerwehrmänner dringend saniert werden müsste, sehen sogar bauunkundige Laien. Die Fassade ist nicht gedämmt, der Putz bröckelt ab. Das Dach und die Fenster sind undicht. Es ist eng. Experten sprechen von unzureichenden technischen Voraussetzungen. Es gibt ungenutzte Räume, die wegen der dort gemessenen Asbest-Belastung geschlossen werden mussten. „Wir müssen im geschlossenen Raum Regenschirme aufspannen, wenn es regnet. Und wir müssen die Fahrzeuge aus dem Gerätehaus fahren, um uns umziehen zu können“, so Zugführer Traser.

Traser arbeitet seit zwanzig Jahren als Zugführer und Brandmeister bei der Arheilger Wehr. Er sagt, dass die Baumängel schon immer da waren. Noch nie habe sich irgendjemand richtig darum gekümmert: „Wir sind jetzt auf dem selben Stand wie vor zehn Jahren. Es waren schon viele hohe Herren hier und haben sich die Situation angeschaut, auch unzählige Gutachten wurden erstellt, aber außer Gelaber ist bislang nichts passiert.“

Ein Problem ist wohl, dass das Feuerwehrhaus Arheilgen im sogenannten Investitionsprogramm des Regierungspräsidiums in der Kategorie B geführt wird. A wäre gut. Kategorie B ist für die Beamten im Regierungspräsidium ungefähr so bedeutend wie die Irgendwann-einmal-Kategorie.

Mittlerweile ist auch Rafael Reißer, der Bürgermeister und Feuerwehrdezernent mit der Sache betraut. Reißer ist für die Sicherheit der städtischen Feuerwehren zuständig ist. Eigentlich müsste er wegen des Arheilger Feuerwehrhauses Regierungspräsident Johannes Baron die Tür eintreten. Der CDU-Politiker gibt statt dessen eine politische Antwort. „Bevor irgendetwas passiert müssen durch den Regierungspräsidenten die Planungsmittel klar deklariert sein. Vor mir war Ex-Baudezernent Dieter Wenzel hier am Werk. Es wurde seit über zwei Jahren über diese Situation geredet, aber er hat den Sack nicht zugemacht und hat auch keinerlei Vorplanungen erarbeitet. Ich bekomme das jetzt nicht vor vier Jahren hin.“

Wenzel und Baron und Reißer und die A- und B-Kategorien im Regierungspräsidium - wäre ein Neubau womöglich eine Lösung? „Das Gelände hier in der Frankfurter Landstraße ist groß genug, und wir haben eine große Ein- und Ausfahrt. Seit jedoch auch über einen eventuellen Neubau geredet wird, darf hier gar nichts mehr gemacht werden“, so Thorsten Traser. Man hört dem Zugführer der Arheilger Wehr jetzt an, dass es angesichts der behördlichen Abläufe womöglich eine große Dummheit war, das Wort Neubau jemals auch nur gedacht zu haben. Ob das Feuerwehrhaus ohne Neubau-Debatte nicht schon längst in die Kategorie A eingestuft worden wäre?

Karl-Heinz Töns, der Arheilger CDU-Vorstands-Mann, ist jedenfalls zu der Einsicht gelangt, dass die vorhandenen baulichen Mängel auch durch eine Sanierung nicht mehr zu beheben sind: „Die Deckenhöhe der Gerätehalle ist mindestens zwei Meter zu niedrig. Die Hallenfläche reicht künftig für das technische Gerät nicht mehr aus. Dies führt im Ergebnis dazu, dass an diesem Standort, obwohl von der Lage her grundsätzlich geeignet, eine Sanierung augenscheinlich keinen Sinn macht, da die erheblichen Investitionen nicht zukunftsträchtig scheinen. Abgesehen davon wäre das Grundstück für einen Neubau in den erforderlichen Ausmaßen zu klein und eine Zwischenlösung während der Bauzeit wenig praktikabel. Auch aus diesem Grund wäre ein Neubau im Norden Arheilgens die optimale Lösung.“

Die Freiwillige Feuerwehr Arheilgen hat einen beachtlichen geschichtlichen Hintergrund. Gegründet im März 1881, mit zunächst 69 Gründungsmitgliedern im damals noch eigenständigen Dorf Arheilgen. Von der Existenz einer Löschmannschaft weiß man jedoch schon aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts, denn 1822 beschaffte die Gemeinde bereits feuerwehrtechnisches Ausrüstungsmaterial. Heute zählt die Wehr aktuell 50 aktive Feuerwehrleute, die alle ehrenamtlich tätig sind. Hinzu kommen 100 inaktive Mitglieder, 30 Jugendliche und 15 Wichtel.

Rafael Reißer will jetzt generalstabsmäßig an die Sache rangehen und bis Mitte des Jahres Planungen vorlegen, wie ein Umzug oder ein Neubau der Arheilger Feuerwehr bewerkstelligt werden könnte. „Ich habe vergangene Woche mit den Feuerwehrleuten auch über Detailfragen bezüglich der Kosten gesprochen.“

Thorsten Traser ist es inzwischen relativ egal, was politikseitig angekündigt wird oder auch nicht. „Wir sind lange genug hingehalten worden. Wir brauchen jetzt jemanden von außerhalb, der einfach mal die Kosten aufstellt, damit wir endlich mit der Sanierung der Fassade und des Daches beginnen können." Auf Ausschreibungen, so Traser, könne man bei diesem Vorhaben übrigens gut verzichten. "Wir haben im Umland viele Feuerwehr-Kameraden, die als Handwerker in unterschiedlichsten Gewerken tätig sind. Mit diesen Kollegen könnten wir in der Freizeit eigenständig einen Großteil des Gebäudes kostengünstig sanieren. Uns müsste nur das Material bezahlt werden.“

Ob der Arheilger Wehr-Zugführer und seine Kameraden mit diesem Plan durchkommen, ist gleichwohl unsicher. Experten befürchten, die Lösung könnte aus Verwaltungssicht schlicht und ergreifend zu pragamatisch sein.

 
 
Anzeige
Agaplesion event_2_12_14
Anzeige
Format
Anzeigen

Auf HEINERTOWN.DE werben
Diese Anzeige kostet Sie pro Monat ab € 19,90 netto inklusive persönlichem Lese-Zugang im Wert von € 4,99.
Buchung: kontakt@heinertown.de