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Anne Franz erhält am Montag (27.) das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse. Die Auszeichnung wird um 18 Uhr von Thomas Metz, Staatssekretär im Hessischen Ministerium der Justiz, vorgenommen und findet im Hessischen Staatsarchiv statt. (Foto: HEINERTOWN.DE/Andreas Kelm)

Ehrenamt: Anne Franz erhält das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse

Darmstadt 24.10.2014

Sie baute den Darmstädter Pflege- und Sozialdienst mit auf, engagiert sich für den Paritätischen Wohlfahrtsverband und ist in ihrer Kirchengemeinde aktiv. Am kommenden Montag (27.10.) wird Anne Franz für ihre ehrenamtliche Arbeit mit dem Bundesverdienstkreuz 1. Klasse ausgezeichnet.

 

Anne Franz ist ein Familienmensch. Wenn die vierfache Mutter über ihre sieben Enkel spricht, dann merkt man schnell, wie sehr es sie freut, das Lachen von Kindern immer noch regelmäßig in den eigenen vier Wänden zu hören. „Ich habe das Glück, dass meine vier Kinder alle in Darmstadt wohnen, bis auf meinen Sohn, der aber auch in Darmstadt arbeitet. Deswegen können wir immer füreinander da sein, wenn mal etwas ist“, erzählt die 79-Jährige, die mit ihrem Mann seit mehr als 30 Jahren im gemeinsamen Haus in Eberstadt wohnt.

Füreinander und für andere da sein zu wollen, diese Lebensphilosophie schaute die gebürtige Bürstädterin sich von ihrem Vater ab: Josef Gärtner, der zu den Ehrenbürgern von Bürstadt zählt und sich in der Politik sowie im Ehrenamt verdient machte. „Mein Vater hat mir und meinen drei Geschwistern schon als Kind gepredigt, dass keiner von uns für sich allein lebt, sondern jeder für die Gemeinschaft verantwortlich ist. Dabei hat er es geschafft, dass diese Lebenseinstellung uns Kindern auch mit Freude erfüllt“, erinnert sich Franz, die bereits mit 14 Jahren erste Erfahrungen im Ehrenamt sammelte, als sie Kinder bei Zeltlagerfahrten betreute.

So richtig los ging es bei ihr in Sachen Ehrenamt aber erst wesentlich später. Vier Kinder müssen schließlich groß gezogen werden. Ende der 60er-Jahre gründete Anne Franz in Darmstadt zusammen mit einigen Freundinnen den „Club junger Hausfrauen“, einen Verein, dessen Mitglieder Hilfe und Beratung für junge Hausfrauen bieten. Fünf Jahre lang war Franz Sprecherin des Clubs; ein Amt, das sie später auch auf Bundesebene bekleidete.

„Der Club junger Hausfrauen war für mich gewissermaßen ein Sprungbrett. Da habe ich gemerkt: Ich kann ja öffentlich reden und tatkräftig für eine gute Sache einstehen. Bis dahin hatte ich das alles eher so nebenher gemacht. So langsam bekam ich dann aber Lust auf eine neue Herausforderung“, blickt Anne Franz zurück.

Nach ihrem altersbedingten Austritt aus dem „Club junger Hausfrauen“ wechselte Anne Franz zum Sozialwerk des Hausfrauenbundes, aus dem sich später der Darmstädter Pflege- und Sozialdienst entwickelte. 1978 wurde sie dort zur Geschäftsführerin ernannt und sorgte mit dafür, dass das Angebot in der Sozialeinrichtung, bei der man sich anfangs vor allem auf die häusliche Pflege und die Altenerholung spezialisiert hatte, erheblich erweitert werden konnte.

„Als ich anfing, hatten wir vielleicht 80 ehrenamtliche Mitarbeiter. Es hat sich aber schnell gezeigt, dass solch verantwortungsvolle, regelmäßig durchgeführte Tätigkeiten nicht nur durch ehrenamtlichen Einsatz geleistet werden können. Deswegen haben wir uns erfolgreich dafür eingesetzt, dass im Pflege- und Sozialdienst feste Arbeitszeiten und Gehälter eingeführt werden“, erinnert sich Franz. Heute arbeiten beim Darmstädter Pflege- und Sozialdienst fast 300 Mitarbeiter, die in der Familienpflege, im Krankenhaushilfsdienst, in der Beratung sowie im Ambulanten Außendienst tätig sind.

Bereits in den späten 70er-Jahren begann sie parallel zu ihren weiteren Aufgaben, sich im Paritätischen Wohlfahrtsverband zu engagieren; vor allem im Bereich der Altenhilfe, des Gesundheitswesens und der ambulanten Versorgung. Von 1982 bis 1993 war Anne Franz Vorstandsmitglied im Landesverband Hessen, später wurde sie sogar zur Vorstandsvorsitzenden gewählt. Nach ihrem Abschied im Jahr 2009 wurde sie schließlich zur Ehrenvorsitzenden des Verbands ernannt, weshalb sie noch heute regelmäßig in den Büroräumen in Darmstadt nach dem Rechten sieht.

Noch dazu leistete Anne Franz wertvolle Aufbauarbeit in der Kreisgruppe des Wohlfahrtsverbandes in Darmstadt, wo sie unter anderem die Fachgruppe für Ambulante Dienste ins Leben rief – und damit einen Nerv traf. „Die Gesellschaft verändert sich, die Menschen werden immer älter. Wir haben damals erkannt, dass bei vielen der Wunsch besteht, zu Hause gepflegt zu werden, was damals schwierig war, weil es ja noch keine Pflegeversicherung gab. Dafür haben wir uns später auch noch eingesetzt“, erzählt Franz.

Sich um andere zu sorgen, ihnen helfen zu wollen, das ist für Anne Franz Teil des christlichen Menschenbilds, das ihre Eltern ihr vermittelten. Deswegen ist sie auch seit Jahrzehnten in ihrer Kirchengemeinde in Eberstadt aktiv. So war sie unter anderem Vorsitzende des Katholischen Deutschen Frauenbundes im Diözesanverband Mainz und Pfarrgemeinderatsvorsitzende in der Kirchengemeinde St. Josef. Auch in diesen Positionen gelang es ihr, viel Gutes zu bewirken. In ihre Amtszeit fielen zum Beispiel der Bau des Eberstädter Pfarrheimes und die Sanierung der Kirche.

Eine Aufgabe, die mit Organisation und Sozialarbeit deutlich weniger zu tun hat, gehört für Anne Franz bereits seit 40 Jahren zu den schönsten Dingen einer jeden Woche: Gemeinsam mit einigen Damen gestaltet sie die Blumendekoration vor und in der Kirche St. Josef jede Woche mit – ehrenamtlich, versteht sich. „Mein Mann hat mich früher manchmal gefragt, warum ich das auch noch mache, wo ich doch ohnehin schon so viel zu tun habe. Aber dafür würde ich alles stehen und liegen lassen. Diese kreative Arbeit ist für mich einfach eine schöne Abwechslung.“

 
 
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