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Inhaberin Eleonore Hofmann zeigt den aktuellen Verkaufsschlager „Darm mit Charme“. Der ungewöhnliche Titel passt zu der kleinen Darmstädter Buchhandlung (Foto: HEINERTOWN.DE / Andreas Kelm)

Literatur: Wie die Darmstädter Buchhändlerin Eleonore Hofmann Amazon und Co. trotzt

Darmstadt 07.10.2014

Klein, fein, gleich nebenan: seit 1978 versorgen die Mitarbeiter des Bessunger Buchladens in der Heidelberger Straße 81 B die (Bessunger) Heiner mit neuem Lesestoff. Anlässlich der Frankfurter Buchmesse fragte HEINERTOWN nach, was heute nötig ist, um als Buchhändler von nebenan überleben zu können. Denn im Laden das Buch über den Tresen zu schieben, genügt lange nicht mehr.

 

Eleonore Hofmann sitzt in der Schmöker-Ecke der Buchhandlung hinter einem Bücherstapel verborgen in einem Sessel und bearbeitet Bestellungen. Sie hat durchaus zu tun. „Es ist schon schwierig, man muss strampeln“, räumt Hofmann ein, wenn man sie darauf anspricht, wie die Geschäfte ihres 55-m²-Buchladens neben Internet-Riesen wie Amazon laufen. Buchhändler wird man sicher nicht des großen Profits wegen, sondern „weil man vom Sinnlichen lebt“, so Hofmann, aus der Leidenschaft für Texte zum Anfassen heraus, für Tinte auf Papier.

Hofmann hat sich jedoch auch angepasst: Als sie und ihr Ehemann Alfred Hofmann die Buchhandlung 2006 von ihrer Vorgängerin Mechthild Steiger-Kühn übernahmen, verpassten sie ihr eine Generalüberholung: neue Lampen, niedrigere Regale – und erstmals einen Computer und ein Kabel fürs Internet. Sie richteten einen Webshop ein, heute verkauft Hofmann neben gedruckten Büchern auch E-Books in ihrem Laden.

Das individuell zusammengestellte Sortiment, welches zu Steiger-Kühns Konzept gehörte, ist jedoch geblieben. Bestellt werde, was den Geschmack der rund 400 Stammkunden trifft. Stammkunden, die regelmäßig vorbeikommen, um noch „Was haben Sie denn Neues?“ zu fragen; und die für Hofmann wichtig sind, um am Markt bleiben zu können. Da gehört der Service, betagten Kunden ihre Bestellung eigenhändig in den Briefkasten zu legen, auch schon mal dazu.

Doch das alles reicht noch nicht aus. Neben dem Verkauf im Laden und über den Webshop organisieren die Mitarbeiter der Buchhandlung unzählige Veranstaltungen. Judith Kautz, die bereits unter Steiger-Kühn für die Buchhandlung gearbeitet hat, organisiert rund 50 Büchertische im Jahr – damit ist der Verkauf eines Buches bei Lesungen vor Ort gemeint – und ist in etlichen Literaturinitiativen tätig. Zudem verlost Hofmann Kinokarten für Literaturverfilmungen, ist Partnerin des hr-info-Bücherchecks. „Die Veranstaltungen sind unsere Werbung um nicht unterzugehen“, sagt Hofmann.

Die Familien und die Heranführung der Kinder an Literatur liegt Hofmann am Herzen. Fast die Hälfte der Verkaufsfläche nimmt die Kinder- und Jugendabteilung ein. Einmal im Jahr verschenkt Hofmann im Rahmen des Welttag des Buches 300 Schülern ein Buch, gibt jährlich (zusammen mit den anderen Darmstädter Buchhandlungen) einen Bücherkoffer mit 60 Büchern an Drittklässler aus. Dazu muss man wissen: Hofmann hat ursprünglich Lehramt studiert und ist Mutter von zwei Söhnen. Ehemann Alfred Hofmann ist beim Darmstädter Kinder- und Jugendliteraturfestival „Huch, ein Buch!“ an vorderster Front mit dabei. Ehrenamtlich hilft er zudem in organisatorischen Dingen im Buchladen; neben seinem Job bei einer Versicherung – damit genügend Geld reinkommt.

Morgen werden Hofmann und Judith Kautz die Frankfurter Buchmesse besuchen, um nach neuem Lesestoff für ihre großen und kleinen Stammkunden zu suchen.

 
 
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