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ESA: Mit dem SSA-Programm (Space Situational Awareness) wollen Experten einen Beitrag leisten, die Erde vor Gefahren zu schützen (Foto: HEINERTOWN.DE)

ESA: Mit „Weltraumbillard“ die Erde vor Asteroiden schützen

Darmstadt 25.02.2014

1.500 Menschen verletzt, 7.000 Gebäude beschädigt – das war die Bilanz des Asteroiden-Einschlag, der im vergangenen Jahr de russische Stadt Tscheljabinsk traf. Dass eines Tages ein Asteroid die Erde treffen wird, gilt als wahrscheinlich. Welche Zerstörung er anrichten wird, das ist unbekannt. Um für den Fall jedoch vorbereitet zu sein, wurde am Raumfahrtzentrum der European Space Agency (ESA) in Darmstadt nun eine Expertengruppe zur Asteroid-Abwehr ins Leben gerufen.

 

Es klingt nach Science-Fiction und Star Wars-Abenteuer, doch wie plötzlich und verheerend ein Asteroid-Einschlag erfolgen kann, bewies die Explosion eines solchen Weltraumgeschoss im vergangenen Jahr in Russland .Dabei war dieser Asteroid mit 19 Metern Durchmesser eigentlich noch recht klein: „Auch ein Hundert-Meter-Asteroid wäre noch nicht einmal sonderlich groß, er würde auf ein Fußballfeld passen, und doch könnte er im schlimmsten Fall eine ganze Großstadt vernichten“, erklärt Alan Harris, der am Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt in Berlin arbeitet.

Um einen solchen „kleinen“ Asteroid frühzeitig zu erkennen und entsprechende Verfahren einzuleiten, um das Weltraumgeschoss aufzuhalten, dazu wurde nun am Raumfahrtzentrum der ESA in Darmstadt eine Expertengruppe gegründet. An ihr sind Forscher aus den wichtigsten Raumfahrtnationen beteiligt. Unterstützt wird das Team von den Vertretern der UNO, die ebenfalls ein Interesse daran haben, die potentiell tödliche Gefahr aus dem All abzuwenden.

Detlef Koschny ist bei der ESA für erdnahe Objekte zuständig. "Vergangenes Jahr", sagt er, "war die Lage noch so, dass wir im Falle eines drohenden Asteroideneinschlags auf der Erde nicht hätten reagieren können. Jetzt haben wir den ersten Schritt getan, indem wir diese Gruppe gegründet haben."

Was die Experten im Ernstfall planen, sollte einer der schätzungsweise 20.000 rund 100 bis 1.000 Metergroße Asteroiden sich der Erde näher, ist im Prinzip „Weltraumbillard“: "Eine unserer Hauptideen ist es, einen Asteroiden einfach mit einem Raumfahrzeug zu rammen. Das ist ein bisschen wie kosmisches Billard", erklärt Alan Harris. „Allerdings", so gibt er zu bedenken, "ist so ein Raumfahrzeug verglichen mit dem Asteroiden sehr klein, es hat sehr wenig Masse, der Asteroid ist sehr groß, also müssen wir ihn entsprechend hart mit dem Raumfahrzeug treffen. Es muss dafür also eine sehr hohe Geschwindigkeit haben, und das versuchen wir nun, wir versuchen, dass der Asteroid seine Bahn verlässt und die Erde verfehlt."

Eine ähnliche Bedrohung besteht auch durch Weltraumschrott. Zwar ist es unwahrscheinlich, dass sich durch ein Stück Schrott jemand verletzt, doch er könnte ebenso ökonomischen Schaden anrichten, erklärt Heiner Klinkrad, er sich bei der ESA mit dem Thema Weltraummüll beschäftigt: "Es handelt sich dabei hauptsächlich um Abfall vom sogenannten Wettlauf ins All. Von den 16.000 bis 17.000 Objekten, die wir von Bodenstationen aus sehen können, sind nur rund 1.000 tatsächlich funktionierende und arbeitende Raumsonden. Das Übrige sind Reste von vergangenen Weltraumflügen, und gut die Hälfte der Objekte stammt von Kollisionen oder auch Explosionen, die sich auf den Umlaufbahnen ereignet haben."

Um diesen schon Schrott zu beseitigen, könnten auch manche der Vorhaben zur Asteroidenabwehr eingesetzt werden. "Um die Lage zu verbessern, wollen wir vor allem die Müllmenge auf den Umlaufbahnen verringern“, erklärt Klinrad. „Das geht zum Beispiel, indem man einen Motor an solch einem Müllteil anbringt den man zündet, und so bringt man den Müll direkt in die Atmosphäre. Der etwas subtilere Weg wäre es, die Widerstandskräfte solcher Objekte künstlich zu erhöhen, dann würden sie sich allmählich absenken und schließlich auflösen, meist auf unkontrollierte Art und Weise“, so der Weltramschrott-Experte.

 
 
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